Nachhaltiger Schmuck: welche Labels sind empfehlenswert?

Ringe, Armbänder und Ketten – von schönen Dingen kann man ja fast nie genug haben. Aber weißt du eigentlich was in deinem Schmuck alles drinnen ist und wie er hergestellt wird? In diesem Beitrag will ich über die Wichtigkeit von nachhaltigem Schmuck sprechen und zwei Labels, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreiben, genauer unter die Lupe nehmen.


painting brushes

Warum brauchen wir überhaupt nachhaltigen Schmuck?


Zwei wichtige Aspekte in der Schmuckherstellung muss man sich besonders ansehen: die Arbeits- und Umweltbedingungen.


Hierzu möchte ich mir das Ganze am Beispiel Gold näher ansehen:

Für die konventionelle Goldgewinnung wird hochgiftiges Cyanid (Salze und andere Verbindungen der Blausäure) verwendet. Dieses Gift wird meist nach der Verwendung in Wasserbecken gespeichert und bei Dammbrüchen kommt es immer wieder zu verheerenden Umweltkatastrophen. Das passiert also oft in anderen Ländern, damit wir Goldschmuck tragen können.


Eine andere schädliche Abbaumethode erfolgt mit Quecksilber – hier landet 60% danach im Wasser und 40% über Dampf in der Luft. Weiters ist anzumerken, dass fast die Hälfte des weltweiten Goldanabaus illegal auf den Landflächen von indigenen Völkern stattfinden. Somit wird der Lebensraum dort verseucht, damit wir schönen Schmuck bekommen. Und in vielen Fällen arbeiten die MitarbeiterInnen vor Ort auch ohne Schutzkleidung und leiden folglich an gesundheitlichen Problemen. Außerdem wird in vielen Goldminen auf illeagale Kinderarbeit gesetzt, um die Masse an nachgefragtem Gold schürfen zu können.


Ein einzelner kleiner Goldring verursacht die Verschmutzung von ca. 20 Tonnen Erdreich – ziemlich viel, oder? Und hier sind die Arbeitsbedingungen noch garnicht mit einberechnet.


Doch was können wir dagegen tun?


Es gibt drei Möglichkeiten Gold nachhaltiger und fairer zu kaufen – einerseits recyceltes Gold. Hier hat man zwar keinen Überblick über die Arbeitsbedingungen des ursprünglichen Golds, kann aber die neuerliche Umweltbelastung vermindern.

Dann gibt es natürlich die Möglichkeit beim Kauf von neuem Schmuck auf Gütesiegel und Zertifikate zu achten. Hier gibt es zum Beispiel das Fairtrade Gold – dabei wird auf einen garantierten Mindestpreis und eine Fairtrade-Prämie für die Händler gesetzt. Zusätzlich gibt es streng Kriterien bezüglich dem Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz. Illegale Kinderarbeit ist in Fairtrade-zertifizierten Goldminen generell verboten. Mehr Infos zum Fairtrade Gold findest du hier.


Waschgold ist die dritte Möglichkeit nachhaltig Gold zu gewinnen. Von dieser Art von Gold haben vielleicht viele noch nicht gehört. Es wird vorwiegend in Skandinavien – bzw. im finnischen Lappland – gewonnen und ist aus mehreren Gründen nachhaltiger und ökologischer. Das Waschgold wird per Hand aus Flüssen geschöpft und folglich sortiert. Es werden zur Gewinnung keine Chemikalien eingesetzt und somit wird das Wasser und Erdreich nicht verschmutzt.

Auf Grund des geringen Vorkommens des Waschgoldes kann es aber niemals die Nachfrage der Welt an Gold decken.


Um ökologischen Schmuck in Masse herzustellen müssen Schmuckhersteller also vorwiegend auf Fairtrade-Gold oder recyceltes Gold zurückgreifen. Und der Konsument und die Konsumentin muss auch bereit sein dafür mehr zu zahlen.


Ich habe mir zwei Schmucklabels angeschaut, die Nachhaltigkeit als einen Grundpfeiler ihrer Produkte betrachten.


BRUNA The Label


BRUNA The Label ist ein österreichisches Schmucklabel mit Sitz im steirischen Pöllau.

Es wurde von Helena Milchrahm, einer gebürtigen Steirerin, und ihrem Partner Simon Rupp im September 2019 gegründet.


Pros

BRUNA arbeitet laut eigenen Angaben nur mit Zulieferern und Mitgliedern des Responsible Jewellery Council zusammen. Diese Organisation setzt sich für Menschen- und Arbeitsrechte in der Gewinnung von Gold etc. ein und kontrolliert auch die Methoden der Gewinnung (inklusive der Umweltauswirkungen).

Die Herstellung der Schmuckstücke erfolgt ausschließlich in Italien und Thailand – wer diese ausgebildeten Goldschmiede sind wird nicht näher angeführt.

BRUNA will außerdem durch größtenteils zertifizierte und recycelte Materialen für die Verpackung der Schmuckstücke die Abfallmengen des Unternehmens reduzieren.


Cons

Nach eigenen Angaben der Gründerin liegt die Recyclingquote der Materialen für die Produkte zwischen 60-90%. (Interview von April 2020) Welche Produkte also weniger recyceltes Material enthalten wird auf der Website nicht angegeben. Auf der Homepage wird von 100% recyceltem Gold und Sterlingsilber gesprochen. Dies widerspricht sich also ein wenig.


BRUNA ist sehr transparent mit ihren CO2-Emissionen und führt diese auch auf ihrer Website an. Die Kompensation erfolgt über Klimaprojekte – das ist auf jeden Fall lobend zu erwähnen. Dennoch ist auch anzumerken, dass Kompensation auch zu einem sogenannten Rückpralleffekt führen kann. Damit ist gemeint, dass durch die Kompensation im Endeffekt mehr konsumiert wird, da man „ja eh kompensiert“ und es sich somit „gönnen kann“. Dies ist aber vor allem ein Problem, das von KonsumentInnen berücksichtigt werden muss.


Mein Fazit

BRUNA The Label ist ein etwas hochpreisiges österreichisches Schmucklabel. Grundsätzlich arbeitet das Modeunternehmen nachhaltig und achtet in ihrer kompletten Supply Chain auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Meiner Meinung nach würde noch etwas Verbesserungsbedarf im Hinblick auf die Transparenz der Zulieferer und Manufakturen bestehen – außerdem wäre Aufklärung bezüglich der tatsächlichen Recyclingquote der einzelnen Stücke hilfreich für die KonsumentInnen.


Makaro Jewelry


MAKARO Jewelry ist ein österreichisches Unternehmen, das von Hanna Plank-Bachselten und Matthias Eckmayr 2015 gegründet wurde. Der Sitz des Unternehmens liegt im oberösterreichischen Enns. Grundsätzlich will das Unternehmen hochwertigen Modeschmuck verkaufen – das Kernmaterial besteht aus Messing und die Vergoldung is 100-mal so dick wie bei herkömmlichem vergoldetem Schmuck.


Pros

Durch die dickere Vergoldung als bei herkömmlichen Modeschmuckstücken verspricht MAKARO, dass die Stücke viel langlebiger sind. Zusätzlich kann durch den Messingkern der Produkte kann der Preis relativ niedrig gehalten werden.


Die Herstellung des Schmucks erfolgt in Handarbeit in Europa, die größte Manufaktur liegt in Budapest. MAKARO gibt an, faires Gehalt und und sichere Arbeitsplätze zu garantieren.


Die Vergoldung der einzelnen Teile wird bei MAKARO nicht wie sonst am Schmuckmarkt üblich chemisch aufgetragen, sondern durch Hitze und Druck. So will das Unternehmen giftige Abfälle und eine Verunreinigung des Grundwassers vermeiden.


Cons

Das verwendete Gold stammt laut eigenen Angaben zu 50% aus recycelten Quellen. Woher die andere Hälfte bezogen wird und unter welchen Bedingungen dieses Gold gewonnen wird, kann man auf der Website nicht herausfinden.


MAKARO gibt außer dem Standort der Manufaktur keine näheren Informationen. Somit ist nicht zu 100% verfolgbar, wo und wie die Stücke gefertigt werden.


Mein Fazit

MAKARO hat es geschafft Modeschmuck nachhaltiger zu gestalten. Mein größter Kritikpunkt liegt eindeutig beim verwendeten Gold. Hier wäre es für die Konsumentin / den Konsumenten sehr vorteilhaft zu wissen wo das restliche Gold herkommt, das nicht recycelt ist. Denn wenn dieses nicht nachhaltig gewonnen wird, steht der Nachhaltigkeitsaspekt der Produkte etwas in Frage.

Dennoch finde ich es toll, dass der Schmuck für die breite Masse durch den fairen Preis zugänglich ist – außerdem unterstützt man beim Kauf bei MAKARO ein österreichisches Unternehmen.



Finales Fazit


Abschließend kann ich sagen, dass sich im Bereich des Schmucks auf jeden Fall etwas ändern muss. Die Verschmutzung der Umwelt und die Ausbeutung von ArbeiterInnen ist unglaublich und wir als KonsumentInnen sollten uns meiner Meinung nach bei jedem Kauf von Schmuck informieren – wie und wo wird produziert? Wo kommen die Materialien her und wie werden diese gewonnen?


Ich will damit nicht sagen, dass niemand mehr Schmuck kaufen soll. Ich will damit aber sehr wohl sagen, dass jede und jeder sich vor dem Kauf ordentlich informieren sollte und vielleicht zweimal darüber nachdenkt, ob es der fünfte oder sechste goldene Ring sein muss.


Denn wie schon oft gesagt, wir haben nur diesen einen Planeten und auf den sollten wir dringend besser aufpassen.


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