Biodiversität oder: "Die Basis unseres Lebens"

Dass wir Menschen vollkommen von der Natur abhängig sind, vergessen wir schnell – neue Technologien und Weiterentwicklung bringen uns oft weit weg von unseren Wurzeln. Doch Biodiversität und Artenvielfalt ist für unser Überleben grundlegend wichtig.

Heute möchte ich deshalb über Biodiversität, Artenvielfalt und Monokultur sprechen und welche Verantwortung wir dabei tragen – gemeinsam mit dem Projekt ArtenvielFELD.


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Wieso brauchen wir Biodiversität?


Einerseits zeigt uns die jetzige Situation schon einen großen Teil davon, warum wir Biodiversität brauchen. Die Biologin Simone Sommer von der Universität Ulm konnte mit ihrem Team im Jahr 2020 zeigen, dass Umweltzerstörung und der Ausbruch von Infektionskrankheiten in direktem Zusammenhang stehen. Warum fragst du dich?

In einem funktionierenden Ökosystem leben die verschiedensten Tier- und Pflanzenarten – nebeneinander mit diversen Viren, das ist ein vollkommen normaler und natürlicher Prozess. Doch wenn der Lebensraum von Tieren und Pflanzen zum Beispiel durch Abholzung der Wälder zerstört wird, sinkt die Biodiversität. Und dies macht es anderen Arten leichter, die sich schneller an Veränderungen anpassen können (wie z. B. Viren) sich auszubreiten. Somit ist die Wahrscheinlichkeit einer Epidemie oder Pandemie in einem gestörten Ökosystem höher.


Außerdem bringt Biodiversität noch einen sozialen bzw. kulturellen Faktor mit sich. Durch die verschiedenen Lebensräume von Pflanzen entwickeln sich die wunderbarsten Landschaften und mit diesen identifiziert sich der Mensch. Wenn du – wie ich – in einem Land mit viele Bergen und unberührter Natur aufwächst, ist das auch irgendwie ein Teil deiner Identität. Und dass die Natur glücklich machen kann, das hast du bestimmt auch schon einmal erlebt, wenn ein sonniger Tag dir ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert hat.


Und das nächste Thema, dem wir uns nicht entziehen können, ist das Bienensterben. Durch beispielsweise enorm große Monokulturen verlieren Bienen immer mehr Lebensraum. Außerdem machen jede neue Straße und jedes neue Bauprojekt die Lebensgrundlage der Bienen Stück für Stück kleiner.


Wenn wir in einer Welt ohne Bienen leben müssten, wäre nichts mehr wie vorher. Sowohl die Honig- als auch die Wildbienen sind ein essenzieller Bestandteil unseres Ökosystems. Ohne Bestäubung von Pflanzen könnten sich vor allem Wildgewächse nicht mehr weiter fortpflanzen und der Lebensraum und die Nahrung für unzählige Tiere würde wegfallen. Doch zu diesem Thema werde ich einmal extra einen Beitrag hochladen, denn die kleinen Helden unseres Ökosystems verdienen viel mehr Aufmerksamkeit.


Zusammengefasst heißt das, der Verlust an Biodiversität hat nicht nur ökologische Auswirkungen, sondern auch massive soziale und ökonomische Folgen.


Was können wir dagegen unternehmen?


Jede und jeder von uns hat die Verantwortung innerhalb ihrer oder seiner Möglichkeiten zu handeln.

Wir müssen unser Konsumverhalten drastisch verändern – am besten weniger und das was wir kaufen so fair wie möglich. Wir können alle einen Beitrag dazu leisten, dass nicht der gesamte Regenwald abgeholzt wird – natürlich ist unser Handlungsspielraum begrenzt, ist doch die meiste Macht immer noch in der Politik. Aber was wir auf jeden Fall tun können, wir können bewusst entscheiden was wir kaufen und welche Firmen wir unterstützen. Die Nachfrage bestimmt das Angebot – wird von einem Produkt massiv weniger nachgefragt, wird sich auch das Angebot ändern. Alleine die Tatsache, dass man vor vielleicht fünf Jahren wenig bis kein Angebot an Fleischalternativen im Supermarkt gefunden hat, zeigt die Macht der KonsumentInnen. Ob die Fleischalternativen nachhaltiger oder besser für das Ökosystem sind, bleibt hier dahingestellt. Dieses Beispiel soll nur verdeutlichen, dass wir mit unseren Konsumentscheidungen sehr wohl etwas verändern können.


Neben dem Konsum können wir auch darauf achten, im eigenen Garten vielleicht nicht nur Rollrasen zu legen und regelmäßig Unkrautvernichter zu benutzen. Denn dieser zerstört nicht nur lästiges Unkraut, sondern auch andere Pflanzen, die Lebensraum für Insekten schaffen.

Eine Blumenwiese vor der Tür mit summenden Bienen und Schmetterlingen ist doch eh viel schöner als eine einzige grüne Fläche ohne jegliche Regung von Lebewesen.


Damit wären wir auch schon bei dem Projekt angekommen, dass ich euch heute gerne vorstellen würde, das ArtenvielFELD.



Das ArtenvielFELD


Wer und was steckt hinter ArtenvielFELD?


Wir sind Michelle (23) und Peter (25) und zusammen haben wir das ArtenvielFELD ins Leben gerufen. Peter ist gelernter Landschaft- und Gartengestalter und ich, Michelle, habe Marketing und Sales studiert und bin seit meinem Studium auch in diesem Bereich tätig. Kennen und lieben gelernt haben wir uns in Portugal, da Peter dort zwei Jahre gelebt hat. Das lustige an der ganzen Sache ist aber, dass sich unsere Wege schon im Kindergarten (laut Fotos, wir können uns nicht mehr erinnern) gekreuzt haben.

Uns verbindet besonders die Liebe zur Natur und die Hingabe diese zu verstehen und zu unterstützen. So ist es auch zum ArtenvielFELD gekommen (dazu mehr später). Das ArtenvielFELD, ist der Name unseres im April 2021 gestarteten Projekts. Ziel des ArtenvielFELDes ist es, ein bisher sehr einseitig genütztes Feld (ca. 625m²) wieder nachhaltig zum Leben zu erwecken. Es soll ein Lebensraum für Pflanzen, Tiere und auch für uns Menschen entstehen. Wildblumenwiesen, (Heil-)Kräuter und verschiedenste Gemüsesorten (speziell Schmetterlingsblütler, wie Bohnen und Erbsen) treffen am Feld aufeinander. Wir wollen dem ausgelaugten Boden wieder Leben zurückgeben und dadurch ein Stück weit gegen Erosion ankämpfen.


Wie seid ihr auf diese Idee gekommen? Was war der ausschlaggebende Grund für euch, dieses Projekt zu starten?


Inspiriert durch eine ziemlich gute Doku und vielen darauffolgenden Dokumentationen, haben wir uns und tun es auch jetzt noch, mit den Themen Erosion, Umweltkatastrophen und vor allem mit dem Thema Artensterben und der generellen Kraft der Natur auseinandergesetzt. Wir haben uns immer wieder die Frage gestellt: was können wir tun, um der Natur wieder ein bisschen Power zurückzugeben und ein kleines Zeichen zu setzen. Lange haben wir herum überlegt. Wir hatten dabei immer das Feld, von Peters Großvater (er hat das Feld einem Bauern überlassen) im Visier. Das Feld wurde jahrelang sehr einseitig bewirtschaftet, eigentlich eine totale Monokultur. Jahrelang nur Kürbis, Mais oder Kartoffeln. Das Ganze passierte natürlich auch nicht ohne chemisches Düngen. Das Feld war ziemlich ausgelaugt.


Eigentlich wissen wir gar nicht mehr genau, was dann tatsächlich der ausschlaggebende Grund für unser Projekt war, denn wir entschieden uns recht spontan. Es war ein normaler Abend und mitten beim Essen fiel dann die Idee das Feld, beim „Opa“ wieder zum Leben zu erwecken und dem Boden etwas zurückzugeben. Wir zeichneten noch an diesem Abend den ersten Entwurf und machten eine kleine Mindmap mit Ideen und Möglichkeiten. Wo wir uns aber sicher sind, ist dass durch unser vieles Recherchieren, Reden etc. schon sehr viele Impulse, die uns dann in Summe zu all dem bewegt haben, gesetzt wurden.


Wenn das Feld fertiggestellt ist, was möchtet ihr danach damit machen? Soll es auch öffentlich zugänglich werden oder nur privat genutzt werden?


Ein Fertigstellen wird es in diesem Sinne nicht geben. Wir sind davon überzeugt, dass dieses Projekt kein Enddatum haben wird, sondern sich einfach nur immer weiterentwickeln wird, in was für einer Form auch immer. Das Feld wird immer Arbeit machen und das ist auch gut so, dass zeigt uns, dass Leben zurückkommt. Ziel wäre es schon, mit dem Feld einen Wohfühl-und Kraftort für jegliche Art von Lebewesen zu schaffen. Vorerst ist das Feld nur für Familie, Bekannte und Freunde zugänglich, aber wer weiß was daraus wird. Vielleicht wird es ja irgendwann ein Ort der Wissensvermittlung und Begegnung – wir stehen allem offen gegenüber.


Wie viel Stunden Arbeit fließen in dieses Projekt und wann plant ihr, es fertigzustellen?


Wie gesagt, Enddatum haben wir uns keines gesetzt. Bis Anfang/Mitte Sommer sollen alle Pflanzen ihre neue Heimat gefunden haben und das Bienenhotel, der Kompost, die Bewässerung etc. sollen fertiggestellt werden. Viel Arbeit ist bisher in die Planung, die Feldeingrenzung, Bepflanzung und Organisation geflossen. Durchschnittlich sind wir 1-2x pro Woche am Feld und das meist für ca. 3-6 Stunden. So oft wie es sich uns zeitlich ausgeht, am liebsten wären wir aber öfters dort.


Wie lebt ihr Nachhaltigkeit in eurem privaten Alltag? Und welchen Tipp würdet ihr gerne teilen?


Wir versuchen uns sehr bewusst zu ernähren, zum Großteil auch vegetarisch. Wenn es mal Fleisch gibt, dann ist es etwas Besonderes. Generell ist es uns wichtig, dass wir bei jedem Lebensmittel wissen, woher es kommt. Gemüse und Obst gibt es zum Großteil nur nach Saison und regional. Wir sind gesegnet mit vielen lieben Omis und Opis, die uns mit ihren Gartenschätzen versorgen. Noch dazu bauen wir auch selbst Gemüse an.

Unser Konsumverhalten versuchen wir in jeglichen Formen und Bereichen genau und neu zu überdenken. So sind wir zwar der Meinung, dass sich Konsum nicht vermeiden lässt, aber es lässt sich sehr wohl beeinflussen, was, wie viel und wann man etwas kauft.

Wir, als Konsumenten haben es in der Hand, speziell im Bereich Kleidung und Haushalt. Da kann man schon mit kleinen Veränderungen Großes bewirken. Alleine was Toiletten- und Kosmetikprodukte und im speziellen Putzmittel anbelangt. Es gibt heutzutage schon so viele wirklich nachhaltige Unternehmen, die super Alternativen anbieten.

Wir leben nach dem Motto: Weniger ist mehr – aber dafür richtig. Nebenbei quatschen wir einfach viel und tauschen uns aus. Das können wir auch jedem raten. Tauscht Meinungen aus, lernt neue Sichtweisen und Lebensweisen kennen, überdenkt die eigenen und verschließt nicht die Ohren und Augen. Die Vielfalt der Natur aber auch der Menschen, ermöglicht es uns erst, Dinge neu zu denken bzw. weiterzuentwickeln und zu verbessern.


Was ihr sonst noch sagen möchtet...


Ein gesunder Boden, mit einer artenreichen Fauna und Flora wird entscheidend für die Zukunft sein, denn er kann uns mit vielen Problemen, wie dem Klimawandel positiv unter die Arme greifen. PS: Pflanzt pflanzen. Das macht Freude und hat was sehr Meditatives. Seid aber mit euch und den Pflanzen geduldig. Manchmal geht es nämlich einfach nicht so schnell.



Ich möchte mich hier bedanken, bei Michelle und Peter, die sich einerseits zu diesem Interview bereit erklärt haben, aber vor allem für den Beitrag, den ihr für unseren Planeten leistet. Ich bin super begeistert!


Wenn ihr mehr vom Projekt ArtenvielFELD erfahren wollt, dann folgt den beiden gerne auf Instagram.


Let's talk about it!


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